Tackle Junkee, Neuruppin

Angeln, schrieb das Magazin Der Spiegel einst, sei die schönste Form des Scheiterns. Meistens keine Fische zu fangen, sein die höchste Form des Glücks. Denn nur wer neunmal scheitert, der kann einmal überglücklich sein. Ganz falsch findet das Björn Baldschun nicht. Auch deshalb der passionierte Angler 2020 mit Hilfe der Bürgschaftsbank in Neuruppin sein eigenes Geschäft für Angelausrüstung eröffnet.

Das sei wie mit den Frauen, scherzt Baldschun, immer wenn man denkt, man hat alles richtig gemacht, dann wird man eines Besseren belehrt. Es gebe Menschen, die angeln, um Fische zu fangen und solche, die es tun, um sich mit Angelausrüstung einzudecken. „Und die nehmen die Fische meist gar nicht mit.“ Ein wenig Profilneurose spiele da sicher auch eine Rolle. Denn eine Angelrolle für 2.000 Euro fängt auch nicht mehr Fische als eine günstigere.

ANGLER SIND GANZ EIGENE MENSCHEN
In Brandenburg gibt es mehr organisierte Angler als Fußballer. Ein weit unterschätzter Wirtschaftszweig, findet Björn Baldschun. „Angler wird man nicht, das ist man oder eben nicht“, erklärt Baldschun. Die Faszination, stundenlang am Wasser zu sitzen und eine Pose anzustarren, erschließt sich nicht jedem. Und da Angeln sozusagen ein fast religiöses Ritual ist, folgt ganz schlüssig, dass das Angelgeschäft die Kirche des Petrijüngers ist. Hierhin geht er zum „Beten“.

Tackle Junkee, der Angelshop in Neuruppin

Angelshop Tackle Junkee in Neuruppin

LIEBLINGSFISCH: KARPFEN
Baldschun angelt, seit er denken kann. Sein Lieblingsfisch heute: der Karpfen. Groß und kampfstark. Seit er seinen Laden eröffnete, hat er für seine Leidenschaft jedoch immer weniger Zeit. Schon Baldschuns Onkel hatte einen Angelladen. Trotzdem ist der heute 46-Jährige über Umwege zum Ladenbesitzer geworden. Angelfreunde baten den gelernten Offsetdrucker immer wieder, Bestellungen für sie zu tätigen. Die Freunde haben es dann anderen Freunden erzählt und die „Bestellgemeinde“ wuchs. Warum also nicht den Druckerjob für die Angelleidenschaft an den Nagel hängen. Baldschun arbeitete anschließend als Filialleiter in einem Angelgeschäft. Ganz zufrieden war er dennoch nicht. „Es war wie bei IKEA“, erinnert er sich, „rein mit den Kunden, Körbe voll, raus mit den Kunden. Beratung war eher unerwünscht.“ Viele seiner Kunden ermutigen ihn, es selbst zu versuchen. Also wagte er den Schritt mit IHK, Raiffeisen- und Bürgschaftsbank.

EINE ANGELKIRCHE NAMENS “TACKLE JUNKEE”
Ein altes Fleischerei- und Bäckereigeschäft wurde die neue Neuruppiner „Anglerkirche“ namens „Tackle Junkee“. „Wir wollten es von Anfang an anders machen“, erklärt Baldschun. Und so unterscheide sich sein Geschäft auch von etwa neunzig Prozent der Konkurrenz, sowohl optisch als auch technisch. Regale von der Decke bis zum Boden, mit allem, was das Anglerherz begehrt. Baldschun verzichtet auf alles Überflüssige, will nur durchdachte Produkte verkaufen, legt Wert auf Flair. 10.000 Ausrüstungsgegenstände habe er derzeit im Sortiment, Tendenz steigend. Angler bekommen leuchtende Augen, „wie im Media Markt, wenn man vor dem Fernseher mit der 1,89 Meter-Bildschirmdiagonale steht.“ Neben Verkauf und Beratung bietet das Geschäft auch Reparaturen und nicht zuletzt das „Tuning“ an. Das wird – besonders in den Wintermonaten, wo man nicht angeln kann – sehr gern angenommen.

ES WIRD AUFGERÜSTET
„Angeln ist sehr komplex geworden“, lächelt Baldschun. Bedeutete Angeln früher Klappstuhl, Rute, Köderdose, wird heute technisch immer mehr aufgerüstet. Und so kann, wer möchte, funkgesteuerte Köder aussetzen, die GPS-genau positioniert werden und über Kameras den Fischen beim Beißen zusehen. „Technisch und monetär“, sagt Baldschun, „ist alles möglich. Bei einer guten Karpfenangelausrüstung ist das Auto, in dem sie die transportieren, noch der günstigste Kostenpunkt.“

Tackle Junkee
Fehrbelliner Str. 131
16816 Neuruppin

Tel. 03391-3468942

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