Landwirt Kai Schneider, Klettwitz

33 Kilogramm Schweinefleisch verzehrt jeder Deutsche durchschnittlich pro Jahr. Damit ist Schweinefleisch die wichtigste Fleischart in Deutschland. Doch immer weniger Menschen wollen industriell hergestelltes Fleisch und suchen nach Alternativen. Kai Schneider hat eine: Die erste Freiland-Schweinehaltung in der Lausitz. Dafür ist der 28-Jährige Friesländer extra nach Klettwitz gezogen, wo seine Familie ihre Wurzeln hat. 

Kai Schneider züchtet Freilandschweine

„Fleisch ist mein Salat“, scherzt Kai Schneider. Landwirt, das war immer der Traumberuf für ihn. Schon als Kind in Friesland hat er die meiste Zeit mit den Tieren auf dem Nachbarhof verbracht. Tauschen würde er seinen Beruf nie. „Ich liebe es, in der Natur zu arbeiten und meine Zeit frei zu gestalten.“ Und mit Blick auf den „Fleischsalat“: Es ist schön, etwas zu essen, das ich selber produziere. Schneider ist ausgebildeter Landwirt, hat sechs Jahre in der konventionellen Schweinemast gearbeitet, bevor er sich selbstständig machte. In die Lausitz bestand seit jeher eine feste Verbindung. Die Großeltern stammten daher, die Cousinen leben immer noch dort. Oft kam Schneider zu Besuch, schon als Kind. 

Ganz blauäugig 

Bei einem dieser Besuche, 2019 beim Versuch Gartenmöbel zu kaufen, entdeckt Schneider zufällig einen zum Verkauf stehenden Hof. Nachdem er ihn sich angesehen hatte, ging er mit seiner Idee einer Freilandschweinezucht zur Bank. „Ganz blauäugig“, wie er sich erinnert, denn die Bank fand die Idee zwar toll, hatte jedoch Bedenken. Mit Hilfe einer Bürgschaft der Bürgschaftsbank kann er am Ende die 500.000 Euro für Hof und Land investieren. „Eine aufregende Zeit“, erinnert sich Schneider: Seit Anfang 2020 sei er hin- und hergefahren zwischen Friesland und der Lausitz. 600 Kilometer, pro Strecke und resümiert heute: „Es hat sich gelohnt.“ 

Saugemütlich 

Etwa 1.300 Tiere leben jedes Jahr ein „saugemütliches“, wenn auch relativ kurzes Leben auf Schneiders Weiden, immer etwa 350 bis 400 Tiere in sechs bis sieben Gruppen. Jedes Schwein hat einen halben bis ganzen Hektar Platz. In der industriellen Schweinemast sind es 0,75 Quadratmeter pro Tier. „Tiere gehören nach draußen“, sagt er. „Gerade das Schwein.“ Und weil Schweine nicht schwitzen können, hat jede Weide auch eine Suhle, Sonnen- und Wetterschutzhütten. 

Von 30 auf 130 

Elf Wochen sind die sogenannten „Läufer“ alt, wenn sie aus einem tierwohlzertifizierten Betrieb von Schneider selbst auf seinen Hof geholt werden. Dort bleiben sie etwa 120 Tage, in denen sie ihr Gewicht von 30 Kilogramm auf etwa 130 „fressen“. Dann geht es zum regionalen Schlachter. 

Antibiotika sind Tabu 

Schneider beharrt aber darauf, kein Bio-Betrieb zu sein. „Wir machen viel mehr als Bio-Betriebe, nur auf Medikamente verzichten wir nicht. Wenn ich selbst krank bin, will ich auch ein Medikament, dass mich auf die Beine bringt“, erklärt er. Antibiotika sind allerdings ein Tabu. Und was wird aus den Klettwitzer Duroc-Freilandschweinen? Grützwurst, Semmelleberwurst, Wellfleisch, Schinken, Salami oder Bratwurst. Und natürlich Fleisch, das besonders marmoriert und schmackhaft sein soll. 

Klettwitzer Freilandschweine
Parkstr. 4b
01998 Schipkau OT Klettwitz

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