Deutlich weniger Geschäft

Deutlich weniger Geschäft

Posted in Für die Presse by Bürgschaftsbank.

Die sehr gute Konjunktur im neunten Jahr in Folge, eine anhaltende Niedrigzinsphase und deutlich weniger Unternehmensinsolvenzen in den vergangenen Jahren bescheren der Bürgschaftsbank Brandenburg den größten Rückgang im Bürgschaftsneugeschäft seit Gründung der Bank im Jahr 1991. Die Nachfrage sank im abgelaufenen Geschäftsjahr um mehr als 21 Prozent. 210 Bürgschaften in Höhe von 66 Mio. Euro sichern Investitionen Brandenburger Unternehmen in Höhe von 110 Mio. Euro ab.   

Geringe Risikosensibilität
Die wirtschaftliche Lage der Unternehmen ist bei den aktuellen Rahmenbedingungen ausgesprochen gut, ihre Liquidität deutlich gewachsen. Viele Vorhaben werden mit eigenen Mitteln finanziert. Hinzu kommen zahlreiche, attraktive Angebote für die Finanzierung unternehmerischer Vorhaben durch die Kreditinstitute, da auch diese in einem starken Wettbewerb miteinander stehen. Unternehmer können derzeit wählen. Die über die vergangenen zehn Jahre stark gesunkene Anzahl der Unternehmensinsolvenzen führt zu einer geringeren Risikosensibilität bei Fremdfinanzierern. Kreditinstitute sichern sich bei Kreditfinanzierungen seltener durch Bürgschaften ab.

Schwieriges Geschäft
„Das Geschäft wird immer schwieriger“, bewertet Dr. Miloš Stefanović, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank, die Geschäftszahlen. „Die Finanzierungsinstitute sind risikounempfindlicher nach neun Jahren wunderbarer Konjunktur. Es gibt derzeit keine besonderen Begehrlichkeiten, was Bürgschaften betrifft.“ Von großer Bedeutung bleiben Existenzgründungen und Unternehmensnachfolgen. Jeder achte Bürgschaftsfall ist inzwischen eine Nachfolge, mehr als die Hälfte aller Existenzgründungen sind Neueröffnungen.

700 neue Arbeitsplätze
2018 reichte die Bürgschaftsbank insgesamt 210 Bürgschaften mit einem Bürgschaftsvolumen von 66 Mio. Euro aus, etwa 21 Prozent weniger als im Vorjahr (84 Mio. Euro). Damit rangiert die Bürgschaftsbank bundesweit auf Platz 10 (Vorjahr 7). Im Vergleich dazu blieb das Geschäft der Bürgschaftsbanken bundesweit insgesamt stabil (-0,1 Prozent). Betrachtet man nur die neuen Bundesländer erreichen diese sogar einen Zuwachs von 0,2 Prozent. Die vergebenen Bürgschaften ermöglichten Brandenburger Unternehmen Investitionen in Höhe von 110 Mio. Euro. Bürgschaftsunternehmen schufen im vergangenen Jahr mehr als 700 neue Arbeitsplätze.

4,5 Mrd. Investitionen seit Gründung
Zum 31. Dezember 2018 zählt die Bürgschaftsbank im Bestand 1.741 Bürgschaften (2017: 1.828) und Garantien für Kredite und Beteiligungen in Höhe von 359 Mio. Euro (Vorjahr: 376 Mio. Euro). Seit ihrer Gründung 1991 hat die Bank mehr als 8.000 Bürgschaften ausgereicht für Kredite und Beteiligungen in Höhe von 2,2 Mrd. Euro. Die Summe der dadurch ermöglichten Investitionen Brandenburger Unternehmen beläuft sich auf insgesamt 4,5 Mrd. Euro. Knapp 135.000 Arbeitsplätze entstanden oder wurden durch Bürgschaften seither gesichert.

Bürgschaften = „Pelze im Sommer“
Auch 2018 erfreute sich die Brandenburger Wirtschaft an einer sehr gut laufenden Konjunktur, die im Umkehrschluss eine sinkende Nachfrage nach gewerblichen Krediten und damit Bürgschaften bedeutete. „Der brandenburgischen Wirtschaft geht es gut, das Bedürfnis nach Sicherheiten in der Unternehmensfinanzierung ist gering. Wir verkaufen sozusagen Winterpelze mitten im Sommer“, erklärt Dr. Miloš Stefanovic, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank.

Existenzgründer stärker
80 von 210 Bürgschaften dienten 2018 der Gründungsfinanzierung. Kredite und Beteiligungen mit einem Volumen von 20 Mio. Euro – etwas mehr als 30 Prozent – wurden 2018 für Existenzgründer verbürgt. Das entspricht einer Steigerung von etwa zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr als die Hälfte aller Gründungsfinanzierungen sind Neueröffnungen, jeder 8. Fall eine Existenzgründung durch Unternehmensübernahme.

Branchen: Starkes Handwerk
Deutliche Veränderungen brachte das Geschäftsjahr auch bei der Branchenverteilung der ausgereichten Bürgschaften. Gingen 2017 noch 28 Prozent (23 Mio. Euro) des verbürgten Kreditvolumens an Industrieunternehmen waren es 2018 nur noch 13 Prozent (8,7 Mio. Euro) – ein drastischer Rückgang um 15 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Rasanten Zuwachs erlebte die Nachfrage aus Handwerksunter- nehmen. 26 Prozent (17,3 Mio. Euro) aller Bürgschaften gingen an Handwerker/innen. (Vorjahr: 16 Prozent/ 13 Mio. Euro). Sie war damit die am stärksten nachfragende Branche im vergangenen Jahr, gefolgt von der Dienstleistungsbranche/Informationswirtschaft. Für Vorhaben aus diesem Bereich wurden 22 Prozent aller Bürgschaften mit einem Volumen von 14,4 Mio. Euro (2017: 16 Prozent/13 Mio. Euro) ausgereicht. Handel und Freie Berufe folgen auf den weiteren Plätzen, etwa je 1 Prozent der Bürgschaften wurde für landwirtschaftliche und gartenbauliche Vorhaben übernommen.

BoB-Volumina steigen
War 2017 eine zurückhaltende Nachfrage nach der Brandenburger Erfindung „BoB“ wegen des Trends zu durchschnittlich höheren Bürgschaftsbeträgen je Finanzierung zu erwarten, stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr das Volumen der über das Sonderprogramm ausgeteilten Bürgschaften wieder, insgesamt um 27 Prozent auf 14 Mio. Euro (2017: 11 Mio. Euro). Das Sonderprogramm „Bürgschaft (vorerst) ohne Bank“ erleichtert Unternehmen den Zugang zu Krediten bis zu 400.000 Euro. Die Bürgschaftsbank übernimmt noch vor der Hausbank die Prüfung des Kreditkonzeptes.

Kammerbezirke: Potsdam schwächelt, Ost- und Südbrandenburg stark, besonders im Handwerk
Brandenburg bleibt bei den Bürgschaftszusagen zweigeteilt. Der Kammerbezirk Potsdam war auch 2018 mit mehr als der Hälfte des Bürgschaftsvolumens wirtschaftliches Schwergewicht im Land, erlebt aber mit 92 Bürgschaften über 29 Mio. Euro einen signifikanten Einbruch im Vergleich zum Vorjahr (134/47 Mio. Euro). Der Kammerbezirk Ostbrandenburg legt dagegen deutlich zu mit 62 neuen Bürgschaften über 23 Mio. Euro, während Cottbus relativ stabil bleibt. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang sind die Aktivitäten der Handwerksbetriebe der Kammerbezirke Ostbrandenburg und Cottbus, die deutliche Zuwächse verzeichnen und damit zum guten Abschneiden wesentlich beitragen.

Verschärfte Rückbürgschaftsquoten
Bürgschaften werden durch das Land Brandenburg und den Bund rückverbürgt. 2018 wurde in Angleichung der Bürgschaftsverfahren der alten und neuen Bundesländer die Höhe für diese Rückbürgschaften von 60 auf 56 Prozent gesenkt. Die Regelung ist für alle Bürgschaftsbanken der Neuen Bundesländer seit dem 1. Januar 2018 in Kraft und erhöht das Risiko der Bürgschaftsbanken. Bürgschaftsbanken tragen jetzt 24 Prozent eigenes Risiko im Gegensatz zu bislang 20 Prozent. Das bedeutet eine Steigerung von 20 Prozent pro verbürgten Euro. Eine weitere Absenkung der Rückbürgschaften auf 52 Prozent ist für 2023 vorgesehen.

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