
Beispiel 1: Die Zitrone des NordensBeispiel 2: Der SpielplatzphilosophBeispiel 3: Abgetaucht – Private U-Boot-Fahrten als TouristenattraktionBeispiel 4: Das BacktheaterIm Juni 2009 eröffnete am Eberswalder Marktplatz das Café Gustav, wenige Meter von der Stelle, wo 1842 Eberswaldes bekanntestes Gebäck erfunden wurde. Der Pfefferküchler und Konditor Gustav Louis Zietemann war nach einigen Wanderjahren mit vielen Rezeptideen auf der Postkutsche nach Eberswalde gekommen und hatte hier den Spritzkuchen kreiert. Eine kleine Statue namens Gustav erinnert auf dem Bahnhof daran. Den Spritzkuchen wird es auch im neuen „Gustav" geben, „in verschiedenen Variationen", sagt Björn Wiese.
Das Bäckerhandwerk haben der 36-Jährige und seine Schwester in die Wiege gelegt bekommen. In Britz, nahe Eberswalde, hatte bereits der Großvater eine eigene Bäckerei eröffnet, die der Vater bis zu seinem Tod in den späten 1980ern weiterführte. Björn und Birte Wiese gingen damals noch zur Schule, aber dass sie das Handwerk der Familie erlernen wollten, wussten sie bereits. 1998 eröffneten beide in einem Ladengeschäft im Zentrum von Eberswalde ihre Bäckerei. Die erste Knetmaschine stand mittendrin, gebacken wurde vor den Augen der Kunden. Die Bürgschaftsbank hat schon damals die Gründungsfinanzierung begleitet. Rasant nennt Björn Wiese die Entwicklung seither. Die Eberswalder nahmen das Angebot des neuen Geschäfts gern an.
„Wir haben eine Lücke gefüllt", erklärt Wiese den Erfolg, „mit unseren Öffnungszeiten an sieben Tage in der Woche, der Transparenz in der Produktion, unserem Sortiment mit vielen französischen Einflüssen und unserem Fokus auf gesunde Ernährung." Das Thema Gesundheit will er in Zukunft noch stärker besetzen.
Mittlerweile befindet sich die zentrale Backstube wieder in Britz, dem Stammsitz der Wieses. Bis zu 6.000 Brötchen und 300 Brote verlassen täglich die Bäckerei. Zwanzig Tonnen Mehl werden hier im Monat verarbeitet, mehr als 100 verschiedene Artikel in den Filialen in Ebers-walde und Britz jeden Tag angeboten. Seit neuestem nun auch im Gustav. Eine Café-Erlebniswelt soll es werden, das neue Lokal, für den morgendlichen Kaffee, das gesellige Treffen mit Freunden und einem kleinen Snack, für das Stück Torte am Nachmittag oder das gastronomische Erlebnis am Abend. Hier soll man wieder „konditorn jehn" können.
Und vielleicht stehen bald wieder Spritzkuchenverkäufer am Eberswalder Bahnhof.
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